Ein plötzliches, unerwartetes Abbremsen auf der Straße kann schnell gefährlich werden – vor allem, wenn es ohne ersichtlichen Grund geschieht. Genau dieses Problem betrifft offenbar zahlreiche Fahrzeuge von Tesla. Immer mehr Fahrer*innen berichten von sogenannten Phantombremsungen – also plötzlichen und abrupten Bremsmanövern ohne das Zutun der Fahrer*innen. Grund genug für das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sich einzuschalten und eine Untersuchung einzuleiten.
Tesla gerät weiter unter Druck
Das KBA bestätigte kürzlich gegenüber dem Handelsblatt, dass die Prüfung läuft. „Das Kraftfahrt-Bundesamt untersucht den Sachverhalt derzeit“, teilte ein Sprecher dabei mit. Konkrete Details zur Anzahl der betroffenen Fahrzeuge oder ersten Erkenntnissen wollte die Behörde noch nicht bekannt geben. Sollte es erforderlich sein, werde das KBA aber „zu gegebener Zeit geeignete Maßnahmen ergreifen“. Tesla selbst hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert.
Schon 2023 hatte das Handelsblatt interne Dokumente ausgewertet, die Tausende Beschwerden von Tesla-Fahrer*innen dokumentierten. Demnach kam es immer wieder zu unerklärlichen Bremsmanövern – teilweise mit dramatischen Folgen. In den USA wurde sogar ein Unfall bekannt, bei dem ein Tesla Model S mitten in einem Tunnel urplötzlich abbremste und eine Massenkarambolage verursachte. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt.
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Ist auf Tesla Verlass?
Ein deutsches Gericht hat Teslas Autopiloten mittlerweile als „mangelhaft“ eingestuft. Das Landgericht Traunstein entschied im Januar, dass der Fahrassistent eines Model 3 aus dem Baujahr 2022 „nicht für die gewöhnliche Verwendung geeignet“ sei. Grundlage der Entscheidung war ein Gutachten, bei dem ein Experte eine Testfahrt nach einer plötzlichen Bremsung aus Sicherheitsgründen abbrach. Rechtsanwalt Christoph Lindner, der das Urteil erstritt, erklärte: „Teslas Autopilot […] kann zu erheblichen Gefahrensituationen führen“, so das Handelsblatt.
Tesla setzt bei seinen Fahrassistenzsystemen ausschließlich auf Kameras und Künstliche Intelligenz. Andere Hersteller nutzen dagegen Sensoren wie Radar oder Lidar, die auch bei schlechten Sichtverhältnissen zuverlässiger arbeiten. Tesla-Chef Elon Musk jedoch lehnt diese Technologien ab. „Menschen fahren, ohne Laserstrahlen aus ihren Augen herauszuschießen“, sagte Musk kürzlich. Er bleibt also dabei: Kameras seien der richtige Weg.
Ob und welche Konsequenzen Tesla drohen, ist noch offen. Das KBA könnte theoretisch einen Rückruf anordnen, falls die Ermittlungen eine ernsthafte Sicherheitsgefahr bestätigen. Für die betroffenen Fahrer*innen bleibt bis dahin die Unsicherheit: Kann man sich auf die Assistenzsysteme von Tesla verlassen?
Quelle: Handelsblatt
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