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Arktis: Tief im Erdboden verborgen – Entdeckung liefert unerwartete Erkenntnisse

Trotz eisiger Temperaturen und vermeintlich lebensfeindlichen Bedingungen leben schon seit langer Zeit auch Menschen in der Arktis. Eine neue Studie enthüllt nun neue Einblicke in das Leben der alten Kulturen.

Fußspuren im Schnee. Im Hintergrund ist eine arktische Landschaft zu sehen.
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Eiszeit auf der Erde

Unsere Erde hat in den letzten 2,6 Millionen Jahren schon 50 Eiszeiten durchlebt. Diese wurden nur von wärmeren Perioden unterbrochen. Auch in der Zukunft kann der Blaue Planet wieder von einer Eiszeit übermannt werden.

Die Arktis ist bereits seit vielen Jahrtausenden Heimat verschiedener Kulturen. Doch oft sind archäologische Funde rar, die Auskunft darüber geben könnten, wie lange die eisige Region der Erde schon von Menschen bewohnt wird. Nun sind Forschende einen ungewöhnlichen Weg gegangen, um dies herauszufinden und dabei zu neuen Erkenntnissen gelangt.

Arktis: Menschliche Spuren im Sediment

So liefert eine aktuelle Studie neue Einblicke in die alten Kulturen in Kanadas Arktis, wie die der Paleo-Inuit und der Thule-Inuit. Jules Blais, Professor für Biologie an der Universität Ottawa, und ein Forscherteam konnten nämlich durch die Analyse von Sedimentproben menschliche Präsenz und Siedlungen auf Somerset Island, Nunavut, nachweisen.

Professor Blais erklärte dabei in einer offiziellen Pressemitteilung der Universität: „Durch die Analyse von Sedimentproben aus Teichen konnten wir detaillierte Geschichten der Besiedlung der Stätten erstellen. Dazu gehören klare Beweise für die Präsenz der Paleo-Inuit und Hinweise darauf, dass die Thule-Inuit früher ankamen als bisher angenommen.“

Doch die Forschenden konnten noch mehr herausfinden. Unter anderem, dass die Thule-Inuit-Bevölkerung vom 13. bis zum 15. Jahrhundert zunahm. Aber sie wiesen auch hohe Konzentrationen von Metallen wie Blei, Kupfer, Zink und Nickel in Sedimenten aus dem 20. Jahrhundert nach. Was auf eine erhöhte Luftverschmutzung während dieser Zeit hindeutet.

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Potenzial neuer archäologischen Techniken

Das Team verwendete dafür Radiokarbon-Datierungstechniken. So identifizierten sie wichtige Zeitpunkte im „Sedimentarchiv“. Blais erklärt dazu: „Mit diesem Ansatz konnten wir Zeiträume erheblicher Veränderungen in Sediment-Proxys erkennen und so einen chronologischen Rahmen für das Verständnis der Geschichte der menschlichen Besiedlung der Insel schaffen.“

Laut den Forscher*innen unterstreichen diese neuen Erkenntnisse die Bedeutung von Sedimentproben bei der Rekonstruktion vergangener menschlicher Aktivitäten. Sie wünschen sich vermehrt solche interdisziplinären Ansätze in der Archäologie.

So erläutert Blais die umfassenden Auswirkungen der Studie: „Die Verwendung von Sedimentbiomarkern und Knochenproben zur Aufdeckung prähistorischer Gewohnheiten zeigt die Stärke interdisziplinärer Studien. Unsere Entdeckungen erweitern nicht nur unser Wissen über die Thule-Inuit- und Paläo-Inuit-Gemeinschaften in der Arktis, sondern zeigen auch das Potenzial neuer archäologischer Techniken.“

Quelle: Sedimentary biomarkers and bone specimens reveal a history of prehistoric occupation on Somerset Island (Arctic Canada)” (Royal Society B journal, 2024), University of Ottawa

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