Eine ägyptische Mumie aus der Sammlung der Universität Warschau hat seit mehreren Jahren zu Diskussionen in Forschungskreisen geführt. Dort hat sie bereits den Namen „Mysteriöse Lady“ erhalten. Der archäologische Fund, der im Nationalmuseum Warschau ausgestellt ist, wurde nun von einem internationalen Team noch einmal genau untersucht.
Archäologischer Fund aus Ägypten sorgt für Diskussionen
Dabei handelt es sich um eine Mumie aus dem Sarkophag des Priesters Hor-Djehuti, die sich als die Überreste einer unbekannten Frau herausstellte. Der archäologische Fund ist seit 1826 im Besitz der Universität, wie das Warsaw Mummy Project mitteilt. Vor allem in den letzten Jahren sorgt diese in der Forschung für einige Verblüffung.
So wurde 2021 eine Studie veröffentlicht, in der, auf Grundlage von radiologischen Bildern festgemacht wurde, dass die mumifizierte Frau im siebten Monat schwanger war. Zudem soll sich der Fötus durch verschiedene chemische Reaktionen noch im Körper der Mumie befinden.
Schnell wurde die „schwangere Mumie aus Polen“ zu einer archäologischen Sensation. Das führte zu weiteren Spekulationen. In den nächsten Jahren folgte unter anderem die These, dass der Schädel der Frau mögliche Spuren von Nasenrachenkrebs aufweist. Doch aktuelle Erkenntnisse über den archäologischen Fund widerlegen diese Annahmen.
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Keine Anzeichen von Schwangerschaft und Krebs
Die neue Studie ist vor Kurzem im Fachjournal Archaeological and Anthropological Sciences erschienen. Anlass dafür war vor allem, dass den Autor*innen die wissenschaftliche Grundlage für die aufgestellten Behauptungen zu Schwangerschaft und Krebs fehlte. So wurden die Daten damals zum Beispiel nicht von Fachleuten aus der Radiologie überprüft.
Das hatte das Forschungsteam nun nachgeholt: „Mithilfe einer Cloud-basierten Plattform überprüften die Teilnehmer die ursprünglichen radiologischen Daten erneut und beantworteten einen zu diesem Zweck erstellten Fragebogen. Ihre unabhängigen Antworten bestätigten übereinstimmend, dass es bei der untersuchten Person keinerlei Anzeichen für einen Fötus oder Krebs gibt.“
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Harte Kritik an den Medien
Kamila Braulińska von der Universität Warschau und Mitbegründerin des Warsaw Mummy Project kritisierte hierbei nicht nur vorherige mangelnde Wissenschaftlichkeit, sondern auch den Umgang der Medien mit dem archäologischen Fund. Vor allem aus moralischer und ethischer Sicht.
Insbesondere, da die Daten auf „sensationsheischende Weise aufbereitet wurden, um Aufmerksamkeit zu erregen, statt sie für ernsthafte und respektvolle wissenschaftliche Forschung zu verwenden, die in Absprache mit qualifizierten Radiologen durchgeführt würde. Darüber hinaus – all dies – im Kontext menschlicher Überreste, die Respekt verdienen, unabhängig davon, wann die Person gestorben ist“.
Trotzdem wirft der archäologische Fund noch immer einige offene Fragen auf. Besonders in Bezug darauf, was sich wirklich im Körper der Mumie befindet. So heißt es in der Studie auch: „Die Bemühungen um eine umfassende Erklärung des Beckeninhalts, einschließlich der Identifizierung des eingebrachten Materials, waren jedoch nicht schlüssig und werden fortgesetzt“
Quelle: Warsaw Mummy Project, „Innovative approach to the verification of the alleged pregnancy and cancer in the Warsaw mummy: international case study with extended research“ (Archaeological and Anthropological Sciences 2025), „Further evidence to confirm the ‘pregnant mummy’: A reply to Saleem (2021)“ (Journal of Archaeological Science 2022)+
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